Weshalb schämt man sich für seinen Dialekt?

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Als ich vor Kurzem in Wien unterwegs war, musste ich wieder einmal feststellen wie stark meine Aussprache durch die Kindheit im Frankenland geprägt wurde.
„Ein Dönerteller mit Pommes und Salat und ’ner Cola – sind dann 8,50€ bitte.“ Sagte der nette Verkäufer in der Dönerbude. „Wart‘ ich hab noch a Fuchzgerla!“ Antwortete ich ihm. „Ah! Bist a Frange hä?“ – wieder einmal ein Moment in dem ich mich ein wenig für meinen Dialekt geschämt habe. Doch ist es denn überhaupt nötig ein Schamgefühl für seine eigene Aussprache zu hegen?

Das Schönste am fränkischen Dialekt sind seine Verniedlichungen wie „la“ und „le“. Der Franke findet das herkömmliche Brötchen um einiges sympathischer, wenn er es zum „Brödla“ machen kann. Jedoch muss der Franke besonders beim „Brötchen“ stets darauf achten, in welchem Teil Frankens er sich befindet. Während man in Teilen Oberfrankens noch vom „Brödla“ bzw. von den „Brödli“ spricht, wird man schon in Mittel- und Unterfranken nur noch beschmunzelt. Meist wird man korrigiert mit „Kerl! Des hasst Semmel! Stell di ned so ooo!“ während ein anderer mit diskutiert: „Schmarr ned so! Des hasst wäggla!“.

Solange wir Franken unter uns sind, reden wir genau so wie wir es gewohnt sind. Mit all den Begriffen und Redewendungen, die uns bereits in die Wiege gelegt wurden. Und das fällt uns überhaupt nicht auf – solange bis sich ein Nicht-Franke an der Konversation beteiligt. Plötzlich fällt uns auf, dass wir ganz anders als der „Neue“ sprechen. Mit einem Mal verändern wir unser komplettes Sprachverhalten. Man nimmt sich reflexartig etwas zurück und lässt zuerst den „Fremdling“ sprechen.
Aber warum verstecken wir uns?
Immer wieder treffe ich auf Franken außerhalb ihres Heimatgebiets. Sie versuchen ihren Dialekt zu vermeiden und beginnen zu stottern. Das kommt davon, weil sie versuchen oben genannte Begriffe zu umgehen. Jedoch passiert mir dies niemals mit Bürgern aus Ostdeutschland. Dort sind viele sogar sehr stolz auf ihren Dialekt.
Beim Skifahren traf ich in der Gondel auf einen Ossi mittleren Alters. Ich unterhielt mich ganz normal wie mit jedem überzeugten Skifahrer darüber, dass Snowboarder einfach die Piste verlassen sollten, wenn sie ihr Gerät nicht im Griff haben. Hier hatte ich eine ehrliche Unterhaltung mit einem Dresdner: Als wir zum Ende unseres Snowboarder-Themas kamen, fragte ich ihn, ob er denn versuche, wie viele Franken seinen Dialekt zu verstecken. „Wie bitte?! Bist du verrückt?!“ antwortete er energisch. Ihm ging das Lächeln kaum noch aus dem Gesicht: „Ganz Deutschland kennt meinen Dialekt. Zwar machen sich viele darüber lustig, wie ich mich ausdrücke aber wenigstens weiß ich noch wo ich herkomme! Es mag vielleicht wichtig sein zu Reisen und die Welt zu entdecken. Manche Leute sollten auf jeden Fall mal aus ihrer Heimat für ein paar Monate verschwinden um zu merken wie gut es ihnen geht! Aber du solltest dabei niemals als ein komplett anderer Mensch zurück Nachhause kommen!“ erklärte er mir. Beeindruckt bedankte ich mich für das nette Gespräch und wir gingen beide wieder unserer Ziehwege.
Um sich die Aussage des Mannes besser vorstellen zu können, wurde sein Beitrag hier in ostdeutschem Dialekt verfasst.

Völlig verblüfft dachte ich den ganzen Tag über die überzeugende Meinung des Mannes aus der Gondel nach. Ich fragte mich die ganze Zeit: „Wieso bin ich nicht genauso stolz auf meinen Dialekt?“

Ich bin zum Schluss gekommen von nun an denselben Stolz auf meinen Dialekt zu entwickeln. Man kann auch sagen, dass ich mich zum „Frankentum“ bekenne. Natürlich muss man gerade als Franke stark darauf achten, diesen Stolz nicht überzustrapazieren um nicht gleich als Bauerndrambl abgestempelt zu werden. Schließlich haben auch Franken unter sich ihre Grenzen!

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