Farbe gefällt nicht – Eine Kurzgeschichte aus dem Alltag

Wie tauscht man einen defekten Akkuschrauber ohne Kassenzettel gegen einen Neuen um? Mach’s wie Anton!

Anton war Serbe. Er sprach nur gebrochen Deutsch. Anton lebte mit seiner Familie schon einige Zeit in Deutschland und arbeitete gerade an seinem großen Projekt: seinem Eigenheim.
Beim renovieren des Hauses ging sein Akkuschrauber, den er sich erst vor kurzem bei einer großen Baumarkt-Kette erworben hat, kaputt. Ohne Kaufbeleg wird das wohl nichts könnte man denken. Doch auf eine sehr amüsante Art und Weise gelang es ihm.

Anton fuhr zu dem Geschäft, in dem er das Gerät gekauft hat. Dort schilderte er der Dame am Service-Stand sein Problem. Keine Chance – unter diesen Umständen sei keine Rückerstattung möglich. Verärgert verließ er den Laden. Er saß schon im Auto, da kam ihm die Idee.

Entschlossen betrat er nochmals das Geschäft und kaufte sich exakt den gleichen Akkuschrauber nochmal. Nun hatte er einen Kaufbeleg, jedoch auch ein zweites Arbeitsgerät. Mit diesem Bon konnte er aber nun den Defekten umtauschen. Also ging er  zum Fahrzeug, legte dort den neuen Akkuschrauber ab und begab sich mit dem kaputten Gerät und dem Kassenzettel zum Service-Stand. „Er schon wieder“, dachte sich die Mitarbeiterin. Jedoch war sie ganz überrascht. Nun hatte er seinen Kaufbeleg. Reibungslos erfolgte der Umtausch gegen die Neuware. »Eh machste Kopie«, beauftragte er die Dame, die den orginalen Kassenzettel einbehalten wollte, »brauch I original fir Finanzamt«. Ohne nachzudenken machte die Mitarbeiterin eine Kopie und gab Anton das Orginal zurück. Voller Freude begab er sich nach draußen und vollendete nach einer genüsslichen Zigarette seinen Plan. Nun, zum dritten Mal, öffneten sich die Ladentüren. Anton steuerte mit schadenfrohem Blick auf den Service-Stand zu. Noch ehe er ihn erreichen konnte, fragte ihn die Dame schon sichtlich genervt: »Sie schon wieder! Was wollen Sie denn jetzt noch?« »Do, will I zurück geben«, sagte er und deutete auf den neuen Akkuschrauber. Er brauchte ja keine Zwei, der andere lag ja noch im Auto. Zuerst verweigerte ihm die Dame die Rückgabe. Dies sei nicht möglich. Schon kam der Filialleiter hinzu. Die Dame erklärte ihm sofort die Situation. Nach langem hin und her musste selbst ihr Vorgesetzter nachgeben. Anton hatte ja schließlich einen orginal verpackten Akkuschrauber und einen Kassenzettel dafür. Natürlich musste Anton einen Grund angeben, warum er sein Geld zurück möchte. Der Filialleiter zückte ein Protokoll und fing damit an, den Reklamationsfall zu bearbeiten. Auf die Frage nach dem Grund der Rückgabe antwortete Anton nur frech: »Eh schreibste rein, Farbe gefällt nicht!« Das war also die Begründung? Auch der Filialleiter war nun sichtlich angefressen. Er zahlte Anton den Betrag zurück und verwies ihn des Ladens. Mit einem frechem Grinsen im Gesicht machte sich Anton aus dem Geschäft und kehrte zum erstaunen seiner Familie mit einem neuen Akkuschrauber nach Hause zurück.

Nun hatte er alles was er wollte. Man sieht, ein Umtausch kann auch ohne Kaufbeleg erfolgen. Zwar auf Umwegen, aber es funktioniert.